Tag 2 (Teil 2)

Mit dem Bus ging es Richtung Osten zum Culloden Battlefield (zu deutsch: Culloden Schlachtfeld). Als „Outlander“-Fans mussten wir dort hin und den Fraser Grabstein besuchen. Der Ort an sich ist auch ohne Grabstein sehenswert! Und auch so war der Tag wunderschön – wenn auch sehr anstrengend.

Culloden Battlefield

Wie Anfangs schon erwähnt sind Sakura und ich „Outlander“-Fans, allerdings schon länger als es die Serie gibt. Denn schon in der 8ten oder 9ten Klasse habe wir die Bücher verschlungen und das ist bereits knapp neun Jahre her. Genau deswegen wollten wir auch unbedingt in die Highlands und uns alles mal in echt anzuschauen.

Die Fahrt von Inverness zum Schlachtfeld dauerte mit dem Bus ca. eine halbe Stunde. Eine kurze Strecke führte uns am Moray Firth, einer Bucht in der Nordsee Schottlands, vorbei. Weiter nach Culloden und über Balloch an unser Ziel. Bereits an der Bushaltestelle vom Culloden Battlefield war die Weite der Ebene so befreiend. Sakura und ich fühlten uns einfach wirklich angekommen. Frei und unbeschwert. Wir waren genau an dem Ort an dem wir genau zu dieser Zeit sein sollten. Dieses Gefühl hatte ich bisher nur in Japan. Daher ist Schottland bzw. die Highlands zu einem der wenigen Orte für mich geworden, an denen ich sehr hänge und zurückkehren möchte. Aber weiter mit Culloden Battlefield!

Auf dem Gelände befindet sich ein Museum, das Culloden Battlefield Visitor Center. Sakura und ich wollten aber nicht rein gehen, sondern selbst auf Entdeckungstour gehen – vor allem weil wir wenig Zeit hatten und uns nicht mit Relikten unter Glas aufhalten wollten. Dennoch sind wir in das moderne Gebäude reingelaufen, da wir menschlichen Bedürfnissen nachgehen mussten. Innen gibt es neben einem Souvenirshop und den Ausstellungsräumen noch ein Restaurant, welches sehr gut besucht war. Außerdem hatten sie eine Münzwalzprägemaschine. Seit Thailand 2012 sammle ich diese Münzen und war daher wirklich happy. Allerdings hab ich es dann doch vergessen… was mich immer noch ärgert.

Über dem Museum ist eine Aussichtsplattform von der aus man das ganze Schlachtfeld überblicken kann. Wieso das Culloden Battlefield ein Sightseeing Ort ist? Das liegt daran, dass dort die letzte Schlacht am 16. April 1746 um die schottische Unabhängigkeit stattfand. Die letzte Schlacht, oder auch die größte nationale Katastrophe, wie es von vielen Schotten empfunden wird, war der letzte Versuch der Stuarts den schottischen Thron zurück zu erobern. Charles Edward Stuart oder auch Bonnie Prince Charlie (bonnie bedeutet schön auf gälisch) verlor die Schlacht, schaffte es aber, anders als viele seiner Anhänger, zu fliehen. Seine Flucht wurde vielfach in Gedichten, Liedern und Gemälden festgehalten. Es ist eine wirklich interessante Geschichte, die wir teilweise auf unserer zweiten Tour durch die Highlands, am nächsten Tag Moor erzählt bekamen.

Von oben konnten wir nicht nur eine Schulklasse beobachten, die den Schlachtruf der Schotten nachahmte, sondern auch die Flaggen die kennzeichneten wo die schottischen und britischen Armeen aufgestellt waren. Zeit runter zu gehen!

Auf dem Schlachtfeld

Um ehrlich zu sein, sieht das Feld nicht aus wie ein Schlachtfeld. Es ist so friedlich, dass man sich kaum vorstellen kann, dass es dort zu einem regelrechten Massaker kam. Und nun, 272 Jahre später finden sich auf dem Platz wunderschöne gelbe Sträucher die nach Kokos riechen. Zwar konnten wir den Geruch zu diesem Zeitpunkt noch nicht bestimmen, aber er ist uns da schon aufgefallen.

Abgesehen vom Museum ist auf dem Culloden Battlefield noch ein weiteres Gebäude. Das Leanach Cottage. Eine kleine Hütte in der Nähe des Museums. Früher standen dort mehrere dieser Hütten mit Scheunen. Doch nach der Schlacht, blieb einzig das Leanach Cottage stehen. Die Scheune hingegen brannte ab. Wahrscheinlich wurde das Gebäude während dem Gemetzel als Lazarett der britischen Armee genutzt. Heute ist es wohl für Touristen zugänglich. Als wir dort waren, war es geschlossen.

Ich hatte damit gerechnet, dass ein Teil des Geländes matschig sei – immerhin hieß  Culloden Moor. Relativ nah am Museum gab es keine Hinweisschilder, Gedenktafeln oder Wegweiser. Nur Flaggen. Erst später lasen wir womit es sich mit den Flaggen auf sich hatte, je weiter wir uns vom Museum entfernten.

Auf den Spuren der Krieger

Ab den blauen Flaggen – dort standen damals die Schotten, meist Highlander – wurde das Gelände bewachsener und auch sumpfiger. Jetzt waren auch Wegweiser und Informationstafeln vorhanden. Die Flaggen markierten die Linien der Armeen. Blau für die schottische Armee die für Bonnie Prince Charlie und die Unabhängigkeit kämpfte, Rot für die britische Armee, die vom Duke of Cumberland angeführt wurde und für den britischen König Georg II kämpfte. Es gab 2 verschiedene Routen, wenn ich mich richtig erinnere. Eine etwas längere, bei der man alle blauen Flaggen passierte und schließlich zu dem Denkmal als auch den Grabsteinen gelangt. Und eine kürzere, die direkt zu den Grabsteinen führte. Sakura und ich entschlossen uns natürlich die ganze Angriffslinie abzulaufen und uns vorzustellen wie es wohl damals gewesen sein muss.

Den geteerten Weg zu verlassen ist untersagt, da man die Tiere, die im Moor leben nicht stören sollte. Wer die Natur mag und evtl Mikrofotografie betreibt, wird sich hier sehr wohl fühlen! Außerdem – es ist ein Moor, wer weiß wie tief man versinken kann.

Nachdem man das sumpfige Gebiet durchquert hat, kommt man an ein Feld auf dem ein turmartiges zehn Meter hohes Denkmal steht. Wir waren am 27. April dort. Elf Tage nach dem 272 Jahrestag der Schlacht. Dementsprechend lagen noch viele Blumengestecke am Denkmal, als auch an den Grabsteinen die an die gefallenen Highlander Clans erinnern sollen. Es war schon berührend wie nach all den Jahren die Ahnen noch immer betrauert/verehrt werden. Neben Blumen lagen dort auch Bilderrahmen oder Banner der jeweiligen Clans, natürlich mit deren Clansfarben und Clans Tartan. Auch künstliche Mohnblumen waren an den Gestecken eingeflochten und ich fragte mich was das wohl zu bedeuten hatte. Zurück in Deutschland fand ich heraus, dass diese als Symbol des Gedenkens an die zahl- und namenlosen Opfer von Kriegen gelten.

Natürlich mussten wir auch an dem Grabstein des Fraser-Clans einen kurzen Stopp einlegen. Denn der Hauptprotagonist in „Outlander“ gehört zum Haus Fraser.

Vor allem dieser Ort war sehr friedlich und irgendwie erhaben. Außerdem ist er nicht so überlaufen und man kann für sich alleine spazieren gehen, wenn man das möchte. Man wird kaum abgelenkt und kann sich seinen Gedanken hingeben – übrigens ist das überall in den Highlands möglich.

Wenn ihr denkt, das wars schon von unserem Tag zwei, dann irrt ihr – und wir dachten der Tag wäre auch etwas kürzer. Aber nein. Da gab es noch einige Hindernisse, ungewollte Wanderungen und eine weitere Station die wir uns ansehen wollten. Aber das beim nächsten Mal!

Wie immer: Kommentare und Fragen erwünscht!

Eure Shizuka 静

 

 

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